26. August 2008
Usenet-Provider mit Fragezeichen
Das Usenet-Portal Firstload.at ist derzeit im Raum Wien offensiv auf Kundenfang. Konsumentenschützer mahnen zur Vorsicht. Rechteinhaber bereiten eine Klage vor.
Seit Wochen wirbt Firstload.at auf Plakatflächen und Infoscreens in
Wien mit leicht bekleideten Damen und dem Slogan "Saugs dir einfach
runter" für sein Angebot. In der Wiener Innenstadt sind Kundenkeiler
unterwegs, die mit Gratis-Downloads locken.
Firstload verzeichne aufgrund der Werbekampagne, die noch bis Ende
August laufe, großes Interesse, sagte Helga Longin, die für den
österreichischen Firstload-Vermarkter Inqnet Pressearbeit betreibt.
Über die genaue Anzahl der Neuanmeldungen hält sich Longin bedeckt.
Für 7,90 Euro im Monat stellt das Usenet-Portal hunderttausende
Downloads aus über 60.000 Newsgroups in Aussicht. Nach Meinung von
Konsumentenschützern hat das Angebot jedoch seine Tücken.
Konsumentenschützer skeptisch
Auf die
tatsächlichen Kosten des Dienstes werde nicht deutlich hingewiesen,
kritisierte Bernhard Jungwirth von der Beratungsstelle
Internet-Ombudsmann.
Bei vergleichbaren Angeboten gebe es viele Nutzer, die übersehen, dass
sie sich eigentlich für ein Jahresabo anmelden würden. Die wahren
Kosten dieser Dienste seien nicht auf den ersten Blick ersichtlich.
Jungwirth rät, die Allgemeinen Geschäftsbedingung [AGB] genau zu lesen,
um sich unliebsame Überraschungen zu ersparen.
Zu Firstload.at gebe es derzeit kaum Beschwerden, sagte Jungwirth. Zu
Firstload.de, einem geringfügig modifizierten Angebot, seien jedoch
"einige Problemfälle" dokumentiert.
Einschlägige Vorgeschichte
Darüber hinaus
habe Firstload-Betreiber Verimount, ein Unternehmen mit
Geschäftsadresse in Dubai, eine einschlägige Vorgeschichte. Insgesamt
vier Angebote der Firma befänden sich auf der Watchlist des
Internet-Ombudsmanns, ein Verfahren der Wiener Staatsanwaltschaft gegen
das Unternehmen endete 2006 mit einem Vergleich.
Verimount musste eine Geldbuße entrichten und sich verpflichten, für
die von ihm betriebenen Seiten Firstload.de, Simsen.de und
Probenexpress.de Auflagen zu befolgen. Für Firstload.de wurde Verimount
auferlegt, auf der Startseite auf die auflaufenden Mindestkosten und
die 14-tägige Widerrufsfrist hinzuweisen.
Die Probleme seien ausgeräumt, meinte Firstload-Öffentlichkeitsarbeiterin Longin. Derzeit liege nichts gegen den Dienst vor.
Klage wird vorbereitet
Eine Klage gegen
Firstload.at wird jedoch von anderer Seite vorbereitet. Der Verein für
Anti-Piraterie [VAP] kündigte am Freitag an, rechtlich gegen das
Usenet-Portal vorgehen zu wollen. Firstload.at sei ein
"Trittbrettfahrer der Content-Industrie", der ganz gezielt Downloads
von geschütztem Material erleichtere, monierte VAP-Anwalt Andreas Manak
bei einer Pressekonferenz des Vereins.
Firstload werbe "gezielt mit illegalem Content" und unternehme nichts zum Schutz der Kreativen, kritisierte Manak.
"Bieten keine Inhalte an"
"Wir sagen noch
gar nichts, weil wir nicht wissen, was in der Klage drinnensteht",
sagte Firstload-PR-Frau Longin zu diesem Thema.
Firstload sei ein Access-Provider, der keine eigenen Inhalte anbiete.
Auch die Telekom Austria und Chello könnten nicht für die von ihren
Nutzern heruntergeladenen Inhalte verantwortlich gemacht werden, so
Longin.
"Rechtliches Restrisiko"
Usenet-Angebote
würden sich rechtlich als Alternative zu Filesharing-Angeboten
positionieren, meinte Jungwirth vom Internet-Ombudsmann.
Weil mit dem Download nicht gleichzeitig die Inhalte auch zum Upload
angeboten würden, wie das etwa bei Filesharing-Software der Fall sei,
würden sich viele Nutzer auf der sicheren Seite wähnen, so Jungwirth.
Rechtlich sei jedoch ein Restrisiko gegeben.
Quelle:
http://futurezone.orf.at